14.01.2007 - 20:30 - Politik, Recht & Gesellschaft

DGB: Zeitarbeit führt zur Zwei-Klassen-Gesellschaft oder: die Dumping-Lohn-Lüge des DGB?

Pressemitteilung von: Personalundwissen.de Ltd. - Das Internetportal für den Personalbereich
Nürnberg, 15.01.2007 - Der Zeitarbeitsboom schreckt die DGB-Gewerkschaften auf und führt aktuell zu einer Großkampagne gegen die für den Arbeitsmarkt so wichtige Personaldienstleistungsbranche.

Das zeigen die vielen öffentlichen Verlautbarungen der IG -Metall sowie der gesamten DGB-Gewerkschaften. (siehe auch Meldungen bei Personalundwissen.de vom 03.01.2007)

In einem aktuell in der Berliner Zeitung vom 13.01.2007 veröffentlichten Interview mit dem Verhandlungsführer der DGB-Gewerkschaften für die Zeitarbeitstarifverträge von BZA e.V. und iGZ e.V., Reinhard Dombre, wird klar, dass die DGB-Gewerkschaften nun nicht mehr als "Tarifpartner" sondern "Tarifgegner" der Zeitarbeit anzusehen sind.

Äußerungen, wie z.B. die Zeitarbeit führe zu einer "Zwei-Klassen-Gesellschaft in Betrieben" oder dass das "Zeitarbeitsgewerbe bald wieder schmuddelig" sei bzw. der erneute Kampf der DGB-Gewerkschaften gegen die Zeitarbeitstarifverträge der Christlichen Gewerkschaften mit geringeren Einstiegslöhnen, machen dies umissverständlich klar und offenbaren das wahre Gesicht der DGB'ler.

Letztlich sind den DGB-Gewerkschaften, führend hier die IG Metall, die Zeitarbeitstarifverträge im Kampf um ihre eigene Daseins-Berechtigung gegenüber der Kernbelegschaft gleichgültig bzw. inzwischen bereits ein "Dorn im Auge".

Betriebsvereinbarungen und Mindestlohn als Kampfmittel des DGB gegen die christliche Gewerkschaftskonkurrenz

So werden auf der einen Seite bereits die Betriebsräte massiv zum Abschluss von Betriebsvereinbarungen gedrängt, die die ausschließliche Beschäftigung von Zeitarbeitskräften mit DGB-Zeitarbeitstarifverträgen enthalten. Und auf der anderen Seite versuchen die Gewerkschaften durch den bereits Mitte letzten Jahres mit den Arbeitgeberverbänden BZA e.V. und iGZ e.v. vereinbarten Mindestlöhnen für die Zeitarbeit ihre Gewerkschaftskonkurrenz, die Christlichen Gewerkschaften aus dem Wettbewerb zu drängen. - Und verblüffend: Die Arbeitgeberverbände, die normalerweise nicht von dem Mindestlohn-Instrument halten, gehen dieses Spiel mit ! - Oder können sie nicht anders ?

Ein Mindestlohn von 7,15 € soll die "Schmutz-Tarife der christlichen Gewerkschaften" beseitigen, so Dombre im Interview mit der Berliner Zeitung.

DGB-"Schmutz-Tarife" liegen noch deutlich niedriger als konkurrierende Christliche Tarife
Doch von den aktuellen Schmutz-Tarifen der DGB-Gewerkschaften, die noch deutlich unter der 6-Euro-Grenze liegen, wie z.B. im Hotel-/Gaststättengewerbe (NGG) in NRW ab 04-2007 mit 5,34 € oder im Garten-/Landschafts-Bau (IG-Bau) in Westdeutschland seit 08-2006 mit 5,74 €, reden die DGB-Gewerkschaftsbrüder und -schwestern lieber nicht. (siehe Fachbeitrag in AIP, Ausgabe 11-2004, S. 3 "Deutschland ein Land der Hungerlöhne" bzw. Auflistung des früheren Bundesministeriums für Arbeit und Wirtschaft zu den vielen Löhne unter 6,00 bzw. sogar 5,00 € - BT-Drucksache: 15-2932-190404).

Zeitarbeit als Premium-Branche mit höheren Tarifen als Kernbelegschaft? Wollen die DGB-Gewerkschaften mit Ihren Forderungen auf deutlich überhöhte und nicht adäquate Mindestlöhne von über 7,00 Euro die Zeitarbeit zu einer "Premium-Branche" machen und noch mehr Arbeitskräfte von der "billigen" Kernbelegschaft in die "teuere" Zeitarbeit überführen?

Warum sollte die Zeitarbeit, die grundsätzlich alle Branchen, auch z.B. das Frisörhandwerk in Berlin, dessen Tarifentgelt sogar unter 5,00 € liegt, mit Zeitarbeitskräften versorgt, bis zu 2,00 € mehr als das Frisörhandwerk selbst zahlen.

Das Ergebnis: Ohnmacht der DGB-Gewerkschaften statt Tarifmächtigkeit

Die DGB-Gewerkschaften kritisieren Dumpinglöhne, die sie selbst in eigenen Tarifverträgen noch unterbieten und bedienen damit ein altes Klischee, das so nicht mehr zutreffend ist. Gleichzeitig fordern sie Mindestlöhne für die Zeitarbeit und andere Branchen, die deutlich über den bisher von Ihnen selbst verhandelten Tariflöhnen liegt, da sie in ihrer Ohnmacht diese selbst an vielen Stellen nicht mehr durchsetzen können. Jetzt soll die Regierung ihnen Schützenhilfe geben. Das Zeitalter der DGB-Gewerkschaften wird dammit wohl dem Ende zugehen, wie auch die vielen Mitgliederaustritte zeigen, denn wozu braucht man Gewerkschaften, wenn die Regierung dann die Tarifverträge für die Gewerkschaften durchsetzt. Wie kann man dann noch von Tarifmächtigkeit bzw. Tarifautonomie der Gewerkschaften reden?

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