23.02.2007 - 17:43 - Gesundheit & Medizin

Berliner Pflegeskandal – was dürfen wir in der Zukunft erwarten?

Pressemitteilung von: IQB - Medizin-, Pflege- und Psychiatrierecht - Lutz Barth
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Wie zu erwarten war, findet die Berichterstattung zum aktuellen Pflegeskandal in einer Berliner Alteneinrichtung derzeit noch kein Ende, fühlen sich doch die Akteure neben den Vertretern einzelner politischer Parteien dazu verpflichtet, ihre wohlmeinenden Statements abzugeben. Die Berliner Sozialsenatorin will Konsequenzen aus den Vorwürfen ziehen und will die Prüfungen durch die Heimaufsicht verschärfen. Einige Berliner Hausärzte werten dieses Vorhaben der Senatorin als guten Ansatz, mahnen zugleich aber an, dass dies allein nicht ausreichend sein könne. Bei den Prüfungen sollte mehr Wert auf die tatsächliche Pflege als auf die Dokumentation gelegt werden. Allgemein gelte daher, für mehr Personal Sorge zu tragen und das Pflegepersonal von Dokumentationsaufgaben und damit der beachtlichen Bürokratie zu entlasten.
Quelle: Ärzte Zeitung >>>
www.aerztezeitung.de/docs/2007/02/23/035a0701.asp?cat=/po...

Die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di fordert mehr finanziertes Personal, denn eine zu dünne Personaldecke mit zu vielen ungelernten Kräften führe zur Arbeitshetze und Überlastung.

Anmerkung (Lutz Barth):
Die Frage muss erlaubt sein: Was dürfen wir in näherer Zukunft an Aktivitäten erwarten? Hier kann vollumfänglich auf den Kommentar und die aufgezeigten Perspektiven von Gerhard Igl verwiesen werden. Mit Blick auf die Veröffentlichung der Studie der Autoren Aichele und Schneider „Soziale Menschenrechte älterer Personen in der Pflege“ (2006) hat dieser eindrucksvoll die derzeitige Situation auf den Punkt gebracht.

>>> zum Kommentar >>>
files.institut-fuer-menschenrechte.de/437/Kommentar_Igl.pdf

Es steht nach diesseitigem Eindruck zu befürchten an, dass die Bestürzung und Betroffenheit nur von kurzer Dauer sein wird, zumal seit Jahren die Probleme skizziert sind. Es dürfte nicht zureichend sein, vollmundig für die Professionalität der Pflege Vorbehaltsaufgaben zu reklamieren, wenn derzeit wohl immer noch Qualifikationsdefizite zu beklagen sind. Allein die Inbezugnahme auf eine Pflegeethik und dem Bekenntnis, für eine menschenwürdige Pflege einzutreten, sind noch keine Garanten für eine Pflege lege artis. Andererseits gibt es aber auch (wohl in der Mehrzahl) Beispiele für eine vorbildliche Pflegepraxis. Igl weist aber zu recht darauf hin, dass zwischen den Beispielen einer herausragenden Pflege und den Beispielen einer skandalösen Pflege ein breites Spektrum liegt. Bei dem Bemühen, eine angemessene Pflege leisten zu wollen, kann gleichwohl die erforderliche Fachlichkeit fehlen und die Qualitätsmängel treten nicht zufällig auf.

Dem ist nichts hinzuzufügen!

Lutz Barth

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