28.02.2008 - 12:24 - Gesundheit & Medizin

Gesichtsfeldtraining hilft Patienten nach Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma

Pressemitteilung von: Neurologische Klinik Bad Aibling / PR Agentur: Redaktionsbüro STEINLEIN
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Eine Patientin im Beisein ihres Therapeuten während des audio-visuellen Gesichtsfeldtrainings: Ein neuer und vielversprechender Therapieansatz in der Behandlung von Gesichtsfeldeinschränkungen und Neglect.
Patienten, die nach einem Schlaganfall oder einem Unfall mit Schädel-Hirn-Trauma an einer Gesichtsfeldeinschränkung leiden, kann jetzt in der Neurologischen Klinik Bad Aibling geholfen werden. Das von italienischen Forschern entwickelte audio-visuelle Gesichtsfeldtraining hilft Patienten, wieder mit Alltagsanforderungen wie Lesen, Auffinden von Objekten oder im Straßenverkehr besser zurecht zu kommen.

„Das audio-visuelle Gesichtsfeldtraining ist ein neuer Therapieansatz, bei dem das intakte Hörsystem dazu genutzt wird, dass Patienten eine Schädigung des Sehsystems besser ausgleichen können“, erklärt Privatdozent Dr. Ingo Keller, Leiter der Abteilung für Neuropsychologie an der Neurologischen Klinik Bad Aibling. „Diese Form des Trainings ist in Deutschland einmalig. Vermutlich können neben Patienten mit Gesichtsfeldausfällen auch Patienten mit einem Neglect von diesem Training profitieren. Hierzu findet derzeit eine Studie in der Neurologischen Klinik Bad Aibling statt.“ Vom Neglect-Syndrom spricht man, wenn Patienten Reize auf einer Raum- oder Körperhälfte nicht beachten können. Sie verhalten sich, als sei eine Hälfte des Raumes für sie nicht mehr existent. Sie reagieren nicht, wenn sie von dieser Seite angesprochen werden, vernachlässigen die entsprechende Körperseite beispielsweise beim Waschen oder Ankleiden und übersehen oder stoßen sogar gegen Gegenstände, die sich in der Raumhälfte befinden.

Das Training dauert täglich 30 Minuten und sollte idealerweise bis zu drei Wochen durchgeführt werden. Der sitzende Patient schaut während des Trainings in einem halbverdunkelten Raum auf einen schwarzen Halbkreis, hinter dem sich 48 Leuchtdioden (LEDs) und kleine Lautsprecher befinden. Die Leuchtdioden und Lautsprecher sind übereinander angebracht. Der Patient bekommt die Anweisung, auf jedes Aufleuchten einer Diode eine Taste zu drücken. Beim Training kann dabei ein Ton zeitgleich oder zeitlich vor dem Aufleuchten der Diode hörbar werden. Das Training kann in der Neurologischen Klinik Bad Aibling im Beisein eines Therapeuten sowohl stationär als auch ambulant durchgeführt werden. Im Einzelfall muss der Patient bei seiner Krankenkasse einen Antrag auf Kostenübernahme stellen.

Der Therapieansatz basiert darauf, dass Nervenzellen im Gehirn, die gleichermaßen auf optische und akustische Reize reagieren, stimuliert werden. Sehr gut hat das beispielsweise bei einem 39-jährigen Patienten funktioniert, der im September 2007 einen Schlaganfall erlitt, der unter anderem Teile seiner Sehrinde zerstörte, was einen Gesichtsfeldausfall auf der linken Seite nach sich zog. Der Patient hatte zu Beginn der Rehabilitation dadurch große Schwierigkeiten. Er übersah Hindernisse und Personen, stieß häufig an und brauchte viel Zeit, um Gegenstände zu finden. Darüber hinaus fühlte er sich unsicher und konnte sich nur schlecht räumlich orientieren. „Nach 15 Therapiesitzungen innerhalb von drei Wochen kam der Patient im Alltag wieder gut zurecht“, unterstreicht Dr. Keller. „Er hat mit Hilfe des Trainings gelernt, seine Probleme durch vermehrte Blickbewegungen in das blinde Gesichtsfeld auszugleichen.“ Nach der Therapie freute sich der Patient, dass er nun keine Probleme mehr habe, seine Brille zu finden und nur noch selten anstoße. Er fühle sich wesentlich sicherer und sei wieder fit für zu Hause.

Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.

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Über die Neurologische Klinik Bad Aibling
Die Neurologische Klinik Bad Aibling ist eines der größten neurologischen Rehabilitationszentren für schwerst Schädel-Hirn-Erkrankte in Europa, insbesondere nach Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma. Die Klinik wird jährlich nach DIN ISO 9001:2000 zertifiziert und entspricht damit höchstem Qualitätsstandard - zudem besteht eine enge Kooperation mit den beiden Universitätskliniken in München. Darüber hinaus wurde ein Konzept für Alzheimer-Patienten aufgebaut, das mittlerweile deutschlandweit Nachahmer findet. Die Klinik verfügt über rund 250 Betten und behandelt ca. 3.000 Patienten pro Jahr.

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