19.06.2008 - 18:37 - Vereine & Verbände

Erste bundesweite Interessenvertretung für pflegende Angehörige gegründet

Pressemitteilung von: Wir pflegen - Interessenvertretung begleitender Angehöriger und Freunde in Deutschland
"Wir pflegen - Interessenvertretung begleitender Angehöriger und Freunde in Deutschland" fordert mehr Rechte, Mitbestimmung und Anerkennung ihrer er-brachten Leistungen.

Sieben von zehn Pflegebedürftigen in Deutschland werden zu Hause von Angehörigen oder Freunden gepflegt - 1,4 Millionen! - und sie begleiten in den Heimen noch einmal 700.000. Die Zahl der Pflegebedürftigen wächst dramatisch und die Dunkelziffer liegt weit höher, denn im Unterschied zu anderen europäischen Ländern wer-den derzeit nur Empfänger von Leistungen der Pflegeversicherung statistisch erfasst. Viele der Pflegenden fühlen sich allein gelassen, schlecht informiert über Hilfsmöglichkeiten und mit der Pflegesituation überfordert. Das Risiko, selbst zu erkranken, ist deutlich erhöht, eine Vereinbarkeit von Pflege und Erwerbstätigkeit häufig nicht möglich. Und in der öffent-lichen Wahrnehmung kommt dieser Personenkreis kaum vor. Das soll sich nun ändern.

Zielsetzung
Die Interessenvertretung "Wir pflegen" will bundesweit das Gemeinsame aller pflegenden Angehörigen und Freunde nach außen vertreten und auf Bundes-, Länder- und Regional-ebene die unterschiedlichen Organisationen und Initiativen zusammenführen. Krankheits-bezogene Gruppen und Verbände (z.B. Alzheimer oder Multiple Sklerose) behalten ihre Bedeutung. Bei „Wir pflegen“ sollen all jene mit ihren Bedürfnissen und Vorschlägen selbst zu Wort kommen, die eine ihnen nahe stehende Person unentgeltlich pflegen oder gepflegt haben (im Sinne von für sie sorgen, sie betreuen und pflegen) und zwar unabhängig von Alter, Grund für die Pflegebedürftigkeit und Wohnsituation der zu pflegenden Person (eige-ne Wohnung, Wohngemeinschaft oder Heim). Zu den erklärten Zielen von „Wir pflegen" gehört unter anderem, bestehenden lokalen und regionalen Initiativen mehr politisches Gewicht zu verleihen, pflegenden und begleitenden Angehörigen zu mehr Wertschätzung und Mitspracherecht zu verhelfen sowie vorhandene Angebote bekannter zu machen.

Entstehungshintergründe
„Wir pflegen“ ist eine der praktischen Konsequenzen aus einem internationalen For-schungsprojekt zur Situation pflegender Angehöriger – EUROFAMCARE (www.uke.uni-hamburg.de/eurofamcare), das von der Europäischen Union gefördert und von der Sozialgerontologin Dr. Hanneli Döhner, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut für Medizin-Soziologie koordiniert wurde. Erfahrungen nationaler Interessenvertretungen in anderen Ländern gaben den Anstoß für die deutsche Initiative. Die Reform der Pflegever-sicherung war der konkrete Anlass für einen Workshop im Oktober 2007. Planung und Diskussionen zur Gesetzesänderung fanden nämlich weitgehend ohne die Anhörung all jener Angehörigen und Freunde statt, die eine ihnen nahe stehende Person pflegen oder gepflegt haben. Pflegende Angehörige sind für die Politik bislang keine Gesprächspartner.

Gründung des Interessenverbandes
Im März 2008 wurde der Bundesverband als Verein „Wir pflegen“ gegründet und bei der 1. Mitgliederversammlung am 23./24. Mai 2008 wurden die Amtsgeschäfte an den neu ge-wählten Vorstand übergeben, der mehrheitlich aus pflegenden Angehörigen besteht. Die Veranstaltungen wurden großzügig finanziell unterstützt von der Unfallkasse NRW, der Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz in Hamburg sowie vom BKK-Bundesverband und der DAK.
Der Verein lädt alle Interessierten, Selbsthilfegruppen und anderen Initiativen ein, Mitglied bei „Wir pflegen“ zu werden. Gemeinsam wollen wir stärker werden mit dem Ziel, pflegen-den und begleitenden Angehörigen und Freunden in Deutschland zu mehr Wertschätzung und Mitspracherecht zu verhelfen.

Weitere Informationen unter: www.wir-pflegen.net

Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.

Ansprechpersonen im Vorstand:

Brigitte Bührlen
Ickstattstr. 9
80469 München
Tel: 0176-24432228
eMail:

Reinhard Leopold
Rembertistr. 9
28203 Bremen
Tel: 01522-9593669
eMail :

V.i.S.d.P.: Dr. Hanneli Döhner, Vorstandsmitglied von „Wir pflegen“,
c/o Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut für Medizin-Soziologie,
Martinistr. 52, 20246 Hamburg, eMail:

Chronologische Entwicklung
Stand: 24. Mai 2008

Januar 2003 bis Dezember 2005:
Ein internationales Forschungsprojekt zur Situation pflegender Angehöriger- EUROFAMCARE (www.uke.uni-hamburg.de/eurofamcare) - wurde von der Europäischen Union gefördert und von Dr. Hanneli Döhner, Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf, Institut für Medizin-Soziologie koordiniert. Eine Teilstudie bezog sich auf die in einigen europäischen Ländern bereits seit Jahren vorhandenen nationalen Interessenvertretungen pflegender Angehöriger.

November 2005:
Die europäische Abschlusskonferenz des Projektes wurde in Hamburg durchgeführt. Parallel dazu trafen sich die Initiatoren einer neu gegründeten Dachorganisation zur Interessenvertretung pflegender Angehöriger in Europa - EUROCARERS (www.eurocareres.org) -, die u. a. die praxisrelevanten Projektergebnisse weiter verfolgen wird. Der im Rahmen von EUROFAMCARE erarbeitete Entwurf einer "Europäischen Charta für die Rechte pflegender Angehöriger" wird weiterentwickelt. Als erster Schritt dahin wurden „Leitlinien zur Unterstützung der Rechte pflegender Angehöriger" entwickelt.

12. April 2007:
In Hamburg trifft sich auf Einladung des Instituts für Medizin-Soziologie am UKE ein Initiativkreis zum Thema „Nutzen und Notwendigkeit einer Lobbyorganisation für pflegende Angehörige in Deutschland".

Ergebnis:
Planung eines bundesweiten Workshops mit dem Ziel, ein Forum für pflegende Angehörige zu schaffen

5./6. Oktober 2007:
Mitarbeiterinnen der AG Sozialgerontologie des Instituts für Medizinsoziologie am UKE in Hamburg organisieren den Workshop „Forum für pflegende Angehörige in Deutschland", unterstützt durch den Initiativkreis, finanziell gefördert durch die Unfallkasse NRW, die Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz, Hamburg sowie die DAK.

Ergebnis:
Die Gründung eines Vereins zur nationalen Interessenvertretung Anfang 2008 wird beschlossen. Es werden Arbeitsgruppen gebildet, deren Leiter zusammen mit Mitgliedern des Initiativkreises die Steuerungsgruppe bilden. Als inhaltliche Orientierung wurde die deutsche Übersetzung der Leitlinien der EUROCARERS
- ergänzt um zwei weitere Punkte - angenommen. Sebastian Fischer, Vorstandsmitglied der "Coalition of Carers in Scotland" hat sich bereit erklärt, den Verein beratend zu begleiten.

3. Dezember 2007:
Der Hamburger Teil des Initiativkreises trifft sich, um die nächsten Schritte festzulegen und das Treffen der Steuerungsgruppe vorzubereiten.

15. Januar 2008:
Planungstreffen von Initiativkreis und Steuerungsgruppe im UKE, Hamburg.

Ergebnis:
- ein Satzungsentwurf soll erarbeitet werden
- die Namensfindung wird abgeschlossen: "Wir pflegen - Interessenvertretung begleitender Angehöriger und Freunde in Deutschland" e.V. (i. G.)
- eine Internet Domain soll gesichert werden
- Antrag zur finanziellen Absicherung des Vereinsaufbaus soll vorbereitet werden

25. Februar 2008:
Treffen der AG1: Organisation in Berlin zur Erarbeitung eines Satzungsentwurfs

Seit Februar 2008:
Vorbereitungen für eine Internetpräsenz (Domain-Registrierungen, Webspace und erste Infoseite unter www.wir-pflegen.net).

3. März 2008:
Sitzung der Steuerungsgruppe und Gründungsversammlung eines Vorvereins im UKE, Hamburg.

Ergebnis:
- Überarbeitung des Satzungsentwurfes zur Vorlage beim Notar
- Vereinsgründung mit Wahl eines vorläufigen Vorstands
- Vorbereitung der offiziellen Gründungsversammlung am 23./24. Mai 2008

28. März 2008:
1. Treffen des vorläufigen Vorstand im UKE Hamburg

Ergebnis:
- weitere Finanzierungsoptionen diskutiert
- Beantragung der Vereinseintragung beim Amtsgericht Hamburg vorbereitet
- Mitgliederbeitragsordnung erarbeitet
- Ausformulierung der Präambel zur Satzung
- Erstellung einer Chronologie der Vereinsentwicklung

21. April 2008:
Fristgerechte Einladung zur 1. Mitgliederversammlung am 23./24. Mai 2008

9. Mai 2008:
Telefonkonferenz des vorläufigen Vorstandes zur Vorbereitung der
1. Mitgliederversammlung

22. Mai 2008:
2. Treffen des vorläufigen Vorstands in Ahrensburg bei Hamburg

23./24. Mai 2008:
1. Mitgliederversammlung in Ahrensburg bei Hamburg:
- Wahl des neuen Vorstands (Brigitte Bührlen, Dr. Hanneli Döhner, Ursula
Helms, Cornelia Karl, Reinhard Leopold, Angelika Maaßen, Christian
Matthes)
- Bildung von Arbeitsgruppen (AG 1: Finanzen; AG 2: Organisation; AG 3:
Inhalte; AG 4: Pflegeversicherung; AG 5: Bestandsaufnahme und
Vernetzung; AG 6: Öffentlichkeitsarbeit)

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