28.06.2006 - 13:28 - Politik, Recht & Gesellschaft

„Zugang zu Schwangerschaftsabbruch darf nicht zusätzlich erschwert werden“

Pressemitteilung von: pro familia-Bundesverband
pro familia wendet sich gegen Sparpläne auf Kosten ungewollt schwangerer Frauen

Frankfurt, 28. Juni 2006. Der pro familia-Bundesverband sieht mit großer Sorge die Pläne der Bundesländer Sachsen und Thüringen, die Einkommensgrenze im Gesetz zur Hilfe für Frauen bei Schwangerschaftsabbrüchen in besonderen Fällen zu senken. Die beiden Länder begründen ihr Vorhaben mit dem hohen Anteil von Frauen, die aufgrund wirtschaftlicher Bedürftigkeit diese finanzielle Unterstützung erhalten.
„Der Vorwurf eines Missbrauchs ist völlig unbegründet“, sagt Dr. Gisela Notz, Vorsitzende des pro familia-Bundesverbands. „Dass die meisten der betroffenen Frauen Einkommen unterhalb der bisherigen Grenze von 1000 Euro beziehen, liegt daran, dass Frauen oft teilzeitbeschäftigt und insgesamt geringer bezahlte Jobs haben“. An dieser Situation werde durch die Reduzierung der Einkommensgrenze auf 662 € nichts verändert. Für Geringverdienerinnen, die über der Einkommensgrenze liegen, seien Kosten von 300 – 500 € pro Abbruch eine unzumutbare Härte.
Der Gesetzgeber habe mit der Regelung, nur das Einkommen der Frau zu berücksichtigen, ausdrücklich anerkannt, dass Frauen die Möglichkeiten haben müssen, allein zu entscheiden.
Pro familia wendet sich auch gegen den Vorwurf, ungewollte Schwangerschaften seien bei den heutigen Verhütungsmöglichkeiten „kaum noch vorstellbar“. „Solange Sexualität gelebt wird, sind ungewollte Schwangerschaften nicht auszuschließen“, sagt Dr. Notz. „Bis heute gibt es keine hundertprozentig sichere Methode der Familienplanung“.
Frauen dürfe der Zugang zu einem Schwangerschaftsabbruch nach der Beratungsregelung nicht durch hohe Kosten erschwert werden. Das Recht auf sexuelle und reproduktive Gesundheit, für das sich pro familia einsetzt, schließt den Zugang aller Frauen zu sicheren Schwangerschaftsabbrüchen ein. Finanzielle Sparpläne der Bundesländer dürften nicht dazu führen, dass dieses Recht eingeschränkt werde.

pro familia ist Gründungsmitglied der IPPF und aktives Mitglied des Europäischen Netzwerks der IPPF. Seit 1952 setzt sich pro familia für die Interessen von Frauen, Männern, Jugendlichen und Kindern auf dem Gebiet der sexuellen und reproduktiven Rechte ein. Heute gehört der Verband national wie europaweit zu den bedeutendsten nichtstaatlichen Dienstleistern der Sexualpädagogik, Familienplanungs-, Sexual- und Schwangerschaftsberatung. In den 170 Beratungsstellen in Deutschland finden Menschen aller Religionen und Nationalitäten fachlich qualifizierte Beratung und sexualpädagogische Unterstützung. Ein Schwerpunkt des Arbeitsprogramms ist die besondere Förderung und Unterstützung benachteiligter Gruppen in der Bevölkerung. Der pro familia-Bundesverband wird durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziell gefördert.

Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.

Pressekontakt: Regine Wlassitschau, Tel.: 069 / 63 90 02, E-Mail:

pro familia-Bundesverband
Stresemannallee 3
60596 Frankfurt am Main
Tel.: 069 / 63 90 02
Fax: 069 / 63 98 52

www.profamilia.de

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