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Wie viel Englisch verträgt eine Pressemitteilung?

01.08.200612:44 UhrWerbung, Consulting, Marktforschung

(openPR) Das wollten wir von deutschen Journalisten wissen, die sich mit IT- und Technikthemen beschäftigen.

„Schreiben Sie „User“ oder „Anwender“, „Best-Practices“ oder „bewährte Methoden“? Werfen Sie Pressemeldungen manchmal nach den ersten drei Sätzen in den Müll, weil die Übersetzung einfach unerträglich ist? Haben Sie schon einmal das englische Original aus dem Internet herausgesucht, weil der deutsche Text einfach unverständlich war?“



„JAAAAAAAAAAAAA, endlich merkt mal jemand was!“, war die eindeutige Reaktion auf diese Fragen.

Die Flut an solchen oder ähnlichen Bemerkungen hat uns überrascht, der Leidensdruck ist offensichtlich noch höher als wir dachten. Knapp hundert Kollegen haben die Umfrage beantwortet.

Das Ergebnis: Redakteure wünschen sich, dass möglichst viele Begriffe in lesbares Deutsch übersetzt werden, außer wenn die Übersetzung zu Missverständnissen führt. Je technischer der Redakteur desto größer ist aber auch die Angst vor Fehlübersetzungen und der Aufruf, die Fachtermini im Original zu belassen. Für Newsredakteure gilt ebenfalls: "Lieber schnell als Deutsch!"

Als besonders übersetzungsresistent erweist sich "Compliance", das nur mit langen Erläuterungen ins Deutsche zu übertragen ist.

Superlative und Begriffe wie „Weltmarktführer“, „unübertroffen“, „optimieren“ und „pro-aktiv“ möchten die Redakteure möglichst gar nicht lesen – egal in welcher Sprache.

Die Anekdoten zeigen aber auch: für Marketing ist und bleibt das Englische einfach unschlagbar, denn wie sonst kommt man von einem Drucker ohne Papier-Auffangvorrichtung auf „Paper is gravity-collected at floor level“?

Details zu den Antworten finden Sie unten oder unter http://www.gcpr.net/1/Umfrage.php


1. Welchen Begriff würden Sie verwenden:

a) Corporate Governance b) Unternehmensvorgaben

a) Performance b) Leistung

a) Best Practices b) bewährte Methoden

a) User b) Anwender

a) Best-of-Breed b) bestes Produkt seiner Gattung

„Deutsche Begriffe bevorzugt"

Vor die Wahl gestellt „Englisch oder Deutsch?“ möchten zwei Drittel der Befragten lieber die deutschen Begriffe lesen. Allerdings sind nur wenige Puristen dabei, die alle fünf Beispielbegriffe auf Deutsch verwenden würden. Was lieber Englisch bleiben soll, ist allerdings je nach Redakteur sehr unterschiedlich: An der Spitze liegt mit 47% „Corporate Governance“, das besonders die Kollegen von der Wirtschaft lieber auf Englisch lesen, dicht gefolgt von „Best Practices“, das auch kaum jemand übersetzen möchte (45%). Best-of-Breed verwendet immerhin gut ein Viertel (29%) der Befragten während User/Anwender (44%) und Performance/Leistung (52%) von vielen Redakteuren in beiden Sprachen benutzt wird.

2. Wie übersetzen Sie:

- critical -- b) gar nicht (12%)

- End-to-End solution -- b) gar nicht (23%)

- Collaboration -- b) gar nicht (14%)

- Compliance -- b) gar nicht (30%)

- Business centric -- b) gar nicht (11%)

"Schwere Zeiten für Sprachpuristen"

Während sich offensichtlich für den Begriff „Collaboration“ die Übersetzung „Zusammenarbeit“ durchgesetzte haben (fast die Hälfte verwendet diese oder synonyme Übersetzungen), gibt es bei anderen Termini große Abweichungen oder sie müssen in einem Nebensatz erklärt werden.

Besonders beim Begriff „Compliance“ ziehen es viele vor, beim englischen Original zu bleiben, statt den Begriff abhängig vom Textzusammenhang mit einer ausführlichen Erklärung zu erläutern.

„Business critical“ wird sehr häufig als direkte Übersetzung zu „geschäftskritisch“ oder „unternehmenskritisch“ aber auch im Nebensatz zu „entscheidend für den Geschäftsablauf“. Die gängigsten Übersetzungen für „End-to-End solution“ sind „durchgängige Lösung“ oder Komplettlösung“. „Business centric“ würden hingegen viele lieber gar nicht verwenden – egal in welcher Sprache.

3. Was ärgert Sie am meisten an übersetzten Pressemitteilungen:

a) zu viele englische Begriffe (59%)

b) statt gängige - englische - Fachtermini lange deutsche Umschreibungen (15%)

c) missverständliche Übersetzungen (73%)

d) englischer Satzbau noch klar erkennbar (55%)

e) _________________________________________________________


„Angst vor Fehlübersetzungen“
Spitzenreiter bei der Ärgernissen einer Pressemitteilung sind missverständliche Übersetzungen mit denen sich über die Hälfte der Befragten quälen müssen. Zu viele englische Begriffe und in der Übersetzung weiterhin erkennbarer englischer Satzbau ärgern ebenfalls gut die Hälfte aller Befragten. Ausführliche Umschreibungen auf Deutsch stören hingegen nur wenige – vielleicht begegnen sie den Redakteuren aber auch eher selten.

Ebenfalls störend finden die Umfrageteilnehmer unkritische, sinnentleerte „Buzzwords“, zu häufig erwähnte Produkt-, Marken- oder Firmennamen, zu viele CEO-Zitate, den falsche Gebrauch englischer Redewendungen, Wiederholungen, Grammatikfehler, fehlerhafte, fachfremde Übersetzungen sowie verspätete Meldungen, die für die Tagespresse nicht mehr relevant sind.

4. Sollte man Fachbegriffe

a) generell in der Originalsprache belassen? (4%)

b) immer übersetzen? (8%)

c) zunächst auf Deutsch erläutern bis der Begriff geläufig ist? (50%)

d) übersetzen, außer wenn dies zu Missverständnissen führen könnte? (62%)

e) in besonders technischen Texten möglichst nicht verändern? (32%)

"Missverständnisse vermeiden"

Nur ein geringer Prozentsatz möchte Pressemeldungen generell in Englisch. Die überwiegende Mehrheit hält sich an den Grundsatz „Übersetzen, außer es führt zu Missverständnissen“. Auch die Idee, englischen Fachtermini zunächst auf Deutsch zu erläutern, bis sie geläufig sind, trifft auf Zustimmung. Vor allem die Redakteure technischer Publikationen würde aber Fachtermini in sehr technischen Texten lieber nicht übersetzten, um sicher zu gehen, dass alle Details stimmen.


5. Begriffe, die Sie überhaupt nicht mehr lesen wollen:

Auf der schwarzen Liste der meist gehassten Begriffen stehen u.a. Superlative und und Eigenlob gefolgt von Begriffen wie „hervorragend“, „unübertroffen“ , „optimieren“, „marktführend“, „pro-aktiv“, „ganzheitlich“, „innovativ“, bis hin zu der Forderung „weg mit den Adjektiven!“

„Funktionalität“, „Technologie“, „Performance“, „Potenzial“ oder „lösungszentrierte Ansätze“, zeigen, dass man auch ohne Adjektive Journalisten ärgern kann. Sehr schön fanden wir auch die „großangelegte Zufriedenheitsoffensive“ von Microsoft, die ein Kollege beigesteuert hat.


6. Begriffe, die Sie nicht übersetzt sehen wollen:

Neben dem einsamen Spitzenreiter „Compliance“ wurden auch „Peer-to-Peer“ sowie technische Komponenten von „Browser“ über „Firewall“ bis zum „Motherboard“ und Begriffe wie „Cookie“, „Wireless“, „Blue Tooth“ oder „Ethernet“ genannt. Die mittlerweile gängigen Akronyme wie „ECM“, „ERP“ oder „SCM“ können Redakteure offenbar allein wegen der Textlänge kaum vermeiden

7. Lieblingsfehlübersetzungen und Stilblüten:

Offensichtlich muss mancher PR-Berater seine Kunden von der Wiege bis zur Bahre betreuen, leider gibt es dafür noch keine Software und so bleibt der „Customer Life Cycle“ als „Kundenlebenszyklus-Management“ ein frommer Wunsch. Auch in anderen Bereichen lässt uns die Technik im Regen stehen, denn Übersetzungs-Software hat ihre eigene Sicht der Dinge: „Die Leitung wird umgelegt (Telefon)“ wird zu „Kill the Management“.

Für Marketing ist und bleibt das Englische einfach unschlagbar, wie sonst kommt man von einem Drucker ohne Papier-Auffangvorrichtung auf „Paper is gravity-collected at floor level“?

Schön auch aus einer NASA-Presseerklärung: "Es besteht eine 60%ige Chance, dass der Start abgesagt werden muss." „Schade, wenn das englische Chance nicht als Risiko oder Wahrscheinlichkeit übersetzt wird“, kommentiert der Redakteur.

Der „falsche oder schwachsinnige Gebrauch englischer Redewendungen und Begriffe, wenn dem Sprecher offensichtlich das deutsche Wort fehlt oder er sich mit seinem (Nicht-) Wissen brüsten möchte (muss)“, wird ebenfalls mit zahlreichen Beispielen belegt:

“Ich committe mich”,

“Wir fixen einen Call”,

“Er ownt ein Budget (Badschet)”,

“Long time no hear no see”,

“Das ist ein absolutes No Go”,

“Wer controllt das?”

"etwas kommunizieren", noch schlimmer "jemandem etwas kommunizieren".

"Ein Problem adressieren" (lösen wäre schön, aber *darum* geht's offenbar nicht).

"in 2006".

"Leading quadrant" (keine Übersetzung, aber trotzdem gruselig, denn Quadranten können nichts führen).

"Marktpenetration" (nix gegen Penetration, aber das bedeutet im Deutschen eigentlich nur eins, und dabei spielt auch nur ein bestimmter Markt eine Rolle).

„Ach es gibt so viele Beispiele“ stöhnen die Kollegen.

Trotz des allgemeinen Plädoyers, Anglizismen so weit wie möglich zu vermeiden, geben viele zu „Es geht nicht immer“, und „kostet enorm viel Zeit, wenn man es richtig macht“.

Anscheinend bleibt uns „Weinenden Auges“ vorerst nichts anderes übrig, als hin und wieder den englischen Begriff zu verwenden. Denn, so der Hinweis eines Teilnehmers, auch bei Suchanfragen möchten Journalisten und Anbieter gleichermaßen ihre Beiträge in den Trefferlisten sehen und der gängigste Suchbegriff ist nun mal oft der Englische weil die Übersetzungen variieren.

Zum Schluss noch der Tipp eines angelsächsischen Kollegen zur Vermeidung von Magengeschwüren: „If you can’t beat em, join em“ rät er und findet, wir Deutschen nehmen alles mal wieder viel zu ernst. Ein Hoch auf den Sprachliberalismus!

Mit freundlichen Grüßen

Wibke Sonderkamp
GlobalCom PR-Network GmbH

und

Nicola Schmidt

BitsundBites - Redaktionsbüro

GlobalCom PR-Network GmbH
Wibke Sonderkamp
Muenchener Straße 14
D-85748 Garching
+49 89 360363 40
E-Mail
www.gcpr.de

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