(openPR) Inselhüpfen bayrischer Handwerker
Der Verein Faszination Handwerk e. V. präsentiert ausgefallenes bayrisches Handwerk zu Lichtmess auf der Praterinsel in München. Eine Ausstellung die alle Sinne anspricht und bezahlbaren Luxus anbietet.
Obwohl der Lichtmess-Markt eine Handwerkerpräsentation ist, hat sich die Faszination Handwerk für diesen Namen entschieden, weil er an die alten Bräuche zu diesem Bauernfeiertag erinnern soll. Die Dienstboten wechselten an diesem Tag ihre Stelle und wurden nicht nur mit Geld, sondern auch mit Naturalien wie Kleidung, Schuhe, Stoffe, Wachsstöcke oder anderem bezahlt. Die Handwerkerberufe, die all das herstellten sind bei dieser Ausstellung zu erleben. Es gibt vieles zu schmecken, zu fühlen, zu hören, zu riechen und zu sehen. Die Ausstellung spricht alle Sinne an.
Es zischt, es dampft. Die schwarzen Locken von Christine Falken werden langsam wieder sichtbar, sie hebt ein Prachtgewand hoch, das sie soeben fertig genäht und aufgebügelt hat. Brauner gemusterter Seidenstoff und eine reiche Rüschenzier um den Ausschnitt des Kleides fällt auf. "Das ist ein Schalk, die Festtracht für eine Bäuerin", erklärt Falken, die nicht nur Dirndlschneiderin, sondern auch Vorsitzende der Faszination Handwerk ist. Sie und ihre Mitstreiter investieren viel Zeit und Mühe, um zum Teil schon in Vergessenheit geratenes einheimisches Handwerk wieder ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen. "Unsere erste Handwerkerausstellung, der Lichtmess-Markt auf der Insel im Schliersee, ist auf großes Interesse gestoßen. Es waren auch sehr viele Münchner Besucher dort. Deshalb gab es im Jahr darauf den Lichtmess-Markt in der Residenz. Nun sind wir
nach zwei Jahren wieder in München und hüpfen sozusagen von einer Insel auf die andere. Von der Insel Wörth zur Praterinsel", erklärt sie.
Steinberger ist Schuhmacher. Er ist bei den letzten Arbeiten an seinen Ausstellungstücken: ein paar handgemachte Schuhe. Vorsichtig klopft er aufs Leder. Er gehört zu den wenigen Schuhmachern, die es in Bayern noch gibt. Aber wer einmal Maßschuhe getragen hat, sagt er, will keine anderen mehr.
Im Atelier für Porzellanmalerei dagegen ist es ganz ruhig. Geräuschlos gleitet der Pinsel in einem eleganten Schwung über den Teller. Die Farbe bildet nach wenigen Strichen wie von Zauberhand eine Rose. Rosa Wilfert lacht verschmitzt: "Rosen sind meine Leidenschaft. Bei meinem Namen kann ich doch gar nicht anders." Auch sie führt, wie die meisten Aussteller, auf der Praterinsel ihr meisterliches Können vor. Oberste Qualität entsteht, bei allen 29 Handwerkern, die mit viel Liebe und Sorgfalt ihre Stücke entwerfen und ausführen. Jeder von ihnen ist ein Künstler seines Faches.
Das Handwerk prägt den, der es ausübt, aber über die Jahrhunderte hinweg auch Land und Leute. Viele interessante Geschichten und jede Menge Hintergrundinformation erwartet die Besucher auf dem Lichtmess-Markt. Mit 19 Prozent stellt Bayern fast ein Fünftel aller deutschen Handwerksbetriebe. Es gibt die allgemein bekannten, wie Bäcker und Metzger, oder die Bauhandwerker.
Die Faszination Handwerk e. V. stellt jedoch die Berufe in den Mittelpunkt ihrer Ausstellungen, die allgemein nicht mehr so bekannt sind. Sie haben sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelt, aus dem was gebraucht wurde. Deshalb sind sie mit den bayrischen Bräuchen verbunden. Wie Falken aber betont, sind die Handwerker nicht in der Vergangenheit hängen geblieben, sondern sehr wohl in der Moderne angekommen, nur dass sie halt die alten Techniken beherrschen.
Wie heißt es so schön in Bayern: Mit Laptop und Lederhose. Originalton Steinberger: "Wir können alle unsere Laptops bedienen, aber die Lederhose muss auch noch einer machen können!"













